„Eine Quote ist nicht zielführend“

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Christiane Flüter-Hoffmann forscht am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zum Thema Personalpolitik. Im Interview spricht sie über den Erfolg von Frauenquote und Elterngeld und über positive Initiativen in den USA. 

€uro: Welche Note würden Sie Deutschland im internationalen Vergleich geben in puncto Frauen im Topmanagement?

Christiane Flüter-Hoffmann: Nehmen wir Europa als Vergleichsmaßstab, zeigt uns die Arbeitskräfteerhebung, dass wir auf Platz 20 von 28 liegen, also gerade Mittelmaß. Vergleichen wir nur das Topmanagement, sehen wir, dass Deutschland etwa im Vergleich mit den USA noch großen Nachholbedarf hat. In den USA sind die Top-Positionen schon fast zu 40 Prozent in Frauenhand, in Deutschland erst zu einem Viertel. Also insgesamt die Note 3.

Sind Frauenquote und bezahlte Elternzeit am Ende nicht zielführend?

Die Frauenquote ist sicherlich nicht zielführend. Wir sehen das im öffentlichen Dienst, der trotz der Gleichstellungsgesetze schon seit Jahrzehnten nicht wesentlich bessere Zahlen vorweisen kann als die Privatwirtschaft. Aber das Elterngeld hat inzwischen sehr klar gezeigt, dass Frauen schnell wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, sofern sie eine Kinderbetreuung haben. Dort liegt eher der Skandal: Kommunen und Länder schaffen es nicht, den seit August 2013 bestehenden Rechtsanspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr des Kindes umzusetzen. Immer noch müssen 30 Prozent der Frauen, die nach Auslaufen des Elterngelds wieder arbeiten möchten, mangels Kinderbetreuung zu Hause bleiben. Dabei benötigt sie die Wirtschaft dringend.

Was läuft in den USA besser? 

In den USA ist das Mentoring nicht nur erfunden worden, sondern auch wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland. Nach Aussage vieler Frauen, die es geschafft haben, ist es ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Nehmen wir die Karriere von Ginni Rometty, Chefin von IBM. Sie ist Informatikerin und Elektrotechnik-Ingenieurin. Sie hat während ihrer Berufszeit mehrmals von Mentoren profitiert, aber besonders noch einmal kurz bevor sie den Vorstandsposten bei IBM übernahm. Auch Mary Barra, CEO von GM, sagt, dass sie ohne ihre Mentoren nie auf diese Position gekommen wäre.

In Deutschland sind Frauen häufig zuständig für Personal, Logistik oder Finanzen. Zeigt sich darin ein gewisses Rollenbild?

In der Tat hängt dies einerseits mit dem Rollenbild zusammen, aber auch mit den Voraussetzungen: Frauen studieren eher Betriebswirtschaftslehre als Ingenieurwissenschaften oder Informatik, daher sind sie oft Personalvorstand oder Finanzvorstand.

Was müsste sich hierzulande ändern? 

Hilfreich wäre, wenn mehr Frauen als bisher klassische MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik; Anm. d. Red.) studieren würden. In vielen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Mentoring förderlich für die Karriere ist. Erst ein Viertel der Betriebe in Deutschland nutzt es. Er wäre schön, wenn es verbreiteter wäre. Auch die Rollenklischees müssen sich verändern: Dass Frauen immer noch den überwiegenden Teil von Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege von An gehörigen übernehmen müssen, lässt ihnen kaum Zeit, Karriere zu machen. Kein Wunder, dass Frauen in Top-Führungspositionen im Vergleich zu Männern häufiger kinderlos und ohne Partner sind.

(€uro 07/19)