Foto: Adam Levy alias Climate Adam. Copyright: Benjamin Thompson

Adam Levy promovierte in atmosphärischer Physik und wollte zum Klimawandel forschen. Doch dann startete Levy mit dem Youtube-Kanal „Climate Adam“ eine neue Form der Wissenschaftskommunikation: clever, witzig, leicht verständlich.

Was haben Staaten, die nichts für den Klimaschutz tun, mit Patienten gemeinsam, die nicht auf ihren Arzt hören? Adam Levy (33) spielt die Szene in einem Video auf Youtube durch. Es macht auf humorvolle Weise deutlich, wie Staaten durch ihr zögerliches Verhalten mit der Lebensqualität in der Zukunft spielen:

Humor ist das zentrale Element der Videos von Adam Levy. Levy lebt derzeit in Berlin, schreibt freiberuflich für Wissenschaftsmagazine, produziert Podcasts und Videos und betreibt als „Climate Adam“ einen Kanal auf Youtube, der Fragen rund um den Klimawandel unterhaltsam thematisiert. Der Kanal hat über 10.000 Abonnenten und ein klares Ziel: komplexe Ideen rund um den Klimawandel in spielerischer und nahbarer Weise zu erklären. Die englischsprachigen Videos sind in der Regel rund fünf Minuten lang. Levy beantwortet darin Fragen, kommentiert aktuelle Ereignisse oder inszeniert mit verschiedenen Charakteren – die Levy jeweils selbst spielt – kleine Szenen: etwa zur Frage, welche Länder die schlimmsten Klimasünder sind:

Mit acht oder neun Jahren hörte Levy zum ersten Mal vom Klimawandel, ohne sich Genaueres darunter vorstellen zu können. „Lange Zeit wusste ich nur, dass das ein wichtiges Thema ist, aber ich kannte die Details nicht“, sagt Levy im Interview mit EnergieWinde. Auf die Schule folgte ein Physikstudium an der britischen Oxford-Universität. Die Möglichkeit, ein Modul zum Klimawandel zu belegen, schlug Levy allerdings aus. „Nach der Uni fotografierte ich, arbeitete als Softwareentwickler und realisierte, dass ich im Job etwas tun wollte, das mir wirklich persönlich wichtig war.“ Erst zu dieser Zeit rückte der Kampf gegen den Klimawandel in Levys Fokus. „Ich habe realisiert, dass ich Fähigkeiten besitze, die ich dafür nutzen kann.“

Die Entscheidung, in Oxford in atmosphärischer Physik zu promovieren, führte Levy tiefer in die Materie: durch die Lektüre von Studien und Fachliteratur, durch das Studium von Formeln und wissenschaftlichen Methoden. Und immer wieder gab es Momente, in denen die Realität hinter der Forschung deutlich wurde, so Levy. „Ich erinnere mich an ein Seminar auf einer großen Konferenz, in dem der Vortragende erwähnte, dass die Eismassen überall dort, wo man sie messen konnte, abnehmen, und dass sich dieser Zustand beschleunigt. Das wurde als ein Ergebnis einer Satellitenauswertung erwähnt, beinahe beiläufig. Dabei ist es ein Umstand, der zum Anstieg der Meeresspiegel beiträgt und das Leben von Millionen Menschen bedroht. In solchen Momenten wollte ich schreien, aber das ist natürlich nicht angebracht“, sagt Levy.

In Levy reifte die Frage, ob man wissenschaftliche Erkenntnisse zwangsweise so nüchtern kommunizieren muss. Ob es nicht Wege gibt, sie anders zu verbreiten, unterhaltsam und trotzdem lehrreich.

Der entscheidende Moment kam für Levy dann in einem Pub. Ein Barbesucher äußerte sich skeptisch über den Anstieg der Meeresspiegel und stellte einen Vergleich mit dem Gin und den Eiswürfeln in seinem Glas an. Levy antwortete und lieferte wissenschaftlichen Kontext. Der Gintrinker schien am Ende des Gesprächs etwas gelernt zu haben. „Das fühlte sich eindrucksvoller an als die Forschung die ich bis dahin unternommen hatte. Mir wurde klar, dass ich mehr Zeit damit verbringen wollte, über die Wissenschaft rund ums Klima zu sprechen als selbst diese Wissenschaft zu betreiben.“

Wenig später lud Levy das erste Climate-Adam-Video auf Youtube hoch. Levy entschied sich, ernsthafte wissenschaftliche Inhalte leicht zu verpacken. „Das liebe ich an Youtube: die verspielten, albernen Leute, die mit verschiedenen Ideen und Formaten experimentieren.“ Statt die Kamera für einen Vortrag auf sich zu richten, spielt Levy deshalb Szenen mit verschiedenen Charakteren nach und schlüpft selbst in sämtliche Rollen. Damit trifft Levy einen Nerv. Der Kanal, der mittlerweile seit sieben Jahren besteht, erreicht vor allem Zuschauer im Alter von 20 bis Mitte 30 und verzeichnet Klicks aus aller Welt. Manche schreiben, dass ihnen die Videos beim Verständnis des Themas helfen. Andere stellen detaillierte Nachfragen. Nur wenige, sagt Levy, schreiben wütende Kommentare, in denen sie den Klimawandel leugnen.

Climate Adam stemmt sich gegen eine Kommunikation, in der die Erderwärmung ausschließlich als lebensbedrohliche Gefahr geschildert und der Kampf dagegen auf individuellen Verzicht reduziert wird. „Das ist ein doppeltes Negativ, ergibt aber deshalb kein Positiv.“

Wir sollten nicht nur darüber reden, welche Weltuntergangsszenarien wir verhindern wollen. Sondern auch darüber, welche Welt wir stattdessen erschaffen wollen.

Adam Levy alias Climate Adam

Zwar waren es oft Angstszenarien und aufrüttelnde Worte wie Greta Thunbergs „Euer Haus steht in Flammen“, die den Klimaschutz in den vergangenen zwei, drei Jahren zur globalen Massenbewegung gemacht haben. Levy glaubt dennoch, dass es Zeit für einen neuen Blick ist: „Wir sollten nicht nur darüber reden, welche Weltuntergangsszenarien wir verhindern wollen. Sondern auch darüber, welche Welt wir stattdessen erschaffen wollen. Wir sollten über die Vorteile sprechen, die sich aus dem Kampf gegen den Klimawandel ergeben: sauberere Luft, lebenswertere Städte, besseres Essen, all diese Dinge.“ Neben Verhaltensänderungen bei jedem Einzelnen brauche es auch immer Veränderungen des Systems, um einen Wandel zu erreichen: Der individuelle Verzicht aufs Auto fällt leichter, wenn es einen verlässlichen und schnellen öffentlichen Nah- und Fernverkehr gibt.

Trotz Humor und Optimismus hat auch Levy frustrierende Momente. Etwa beim Besuch der UN-Klimakonferenz in Polen 2018: „Ich kam von der Konferenz zurück und fühlte mich wütender und trauriger über den Klimawandel als bisher in meinem Leben. Und das nach einer Konferenz, deren Ziel es ist, den Klimawandel zu stoppen“, sagt Levy im Video. Niemand vor Ort habe angesprochen, dass die Welt das Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, verfehlen wird, wenn nicht stärkere Maßnahmen ergriffen werden. Bei den Followern stießen die ehrlichen Worte auf Zuspruch. „Ich glaube, eine Menge Leute konnten sich darin wiedererkennen, weil sie das auch fühlen“, sagt Levy.

Doch enttäuschende Erfahrungen sind für Levy kein Grund aufzugeben, im Gegenteil: Solange der Klimawandel nicht gestoppt ist, dreht Levy weiter Videos als Climate Adam. Und hat für eventuelle Kritiker eine humorvolle Antwort: „Wenn jemand da draußen meinen Kanal überhaupt nicht leiden kann, muss er oder sie nur den Klimawandel stoppen – dann hör ich auf.“

(Enehttps://energiewinde.orsted.de/koepfe-der-energiewende/climate-adam-youtube-videos-klimaschutz-adam-levy-portraetrgiewinde.de)