Eine NS-Zeitschrift kürte 1935 die acht Monate alte Hessy Levinsons zum Vorzeigebaby. Der Fotograf hatte heimlich das Bild des jüdischen Mädchens eingereicht – für ihn ein Scherz, für die Familie hochgefährlich.

Mit großen runden Augen und offenem Mund schaut die Kleine neugierig in die Kamera. Ihr rundes Gesicht wird von einer weißen Babymütze mit Rüschen eingerahmt, die seitlich unter dem Kinn zusammengebunden ist. Ein paar feine Haare und eine kleine Locke lugen unter den Rüschen hervor.

Ein gelungenes Foto von einem sehr süßen Baby – und doch starrten die Eltern 1935 entsetzt auf das Bild ihrer Tochter. Jacob und Pauline Levinsons hielten eine Ausgabe der NS-Propagandazeitschrift »Sonne ins Haus« in den Händen. Auf dem Titel das Foto ihrer acht Monate alten Tochter Hessy: laut Heft das »schönste arische Baby«. Doch die Levinsons waren jüdisch.

»Für mich ist das Bild ein Symbol für die Dummheit der Philosophie einer arischen Rasse«, sagt Hessy Levinsons Taft im Telefoninterview. Die 86-Jährige ist bei ihrer Tochter in San Francisco, bis die Pandemie das Reisen wieder sicherer macht. Dann will sie zurück nach New York, wo sie seit 1948 lebt und wo auch eines ihrer kostbarsten Familienerbstücke steht: das Klavier, das ihr Vater der Mutter bei Hessys Geburt schenkte.