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Frauen sind als Kundinnen ein riesiger Wachstumsmarkt. Unternehmen beginnen, die Chance ernst zu nehmen. Es gibt aber auch peinliche Fehler.

Im leuchtend gelben Hosenanzug und mit ihrem einjährigen Sohn auf dem Arm läutete Whitney Wolfe Herd Mitte Februar in Austin, Texas den Börsengang ihres Unternehmens Bumble ein. Die Dating-App hatte die Aktien für 43 Dollar ausgegeben, der Einstandskurs lag bei 76 Dollar. Das Unternehmen wurde beim Börsengang mit rund 8,2 Milliarden Dollar bewertet — und machte Wolfe Herd mit 31 Jahren zur bisher jüngsten Frau, die ihr Unternehmen an die Börse gebracht hat und zu einer von nur wenigen Selfmade-Milliardärinnen. Den Erfolg hat Wolfe Herd einem Produkt zu verdanken, das sich seit Gründung vor sieben Jahren deutlich von der Konkurrenz abhebt: Bumble ist eine Dating-App, die explizit auf Frauen ausgerichtet ist. Frauen machen auf der Plattform den ersten Schritt und schreiben die erste Nachricht an einen potenziellen Partner.

Ein simples Detail. Aber eines, das sich nach den Bedürfnissen von Frauen richtet und ihnen ein Gefühl von Sicherheit gibt. Oft geht Onlinedating mit ungewollten Nachrichten oder ungefragt verschickten intimen Fotos einher. In den USA, wo Bumble nach Konkurrent Tinder (das Wolfe Herd einst mitgründete) heute die zweitpopulärste Dating-App ist, machten 2019 beinahe die Hälfte aller Userinnen Erfahrungen mit Belästigung oder expliziten Bildern, mehr als ein Drittel wurden beim Onlinedating beschimpft. Bumble stellt sich mit klaren Regeln gegen explizite Fotos, Belästigung oder Bodyshaming und nimmt damit eine Vorreiterrolle ein.

Wolfe Herd und Bumble stehen für einen neuen Trend: Frauen explizit als Kundinnen anzusprechen und zum Teil des Geschäftsmodells zu machen. Wenig überraschend stehen hinter diesen Initiativen oft Frauen, die von der existierenden Produktwelt enttäuscht sind oder sich vom Unternehmensmarketing nicht angesprochen fühlen. Wolfe Herd etwa gründete ihre Dating-App, nachdem sie gegen ihren früheren Arbeitgeber, die Dating-App Tinder, eine Klage wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz eingereicht hatte.

(Die ganze Geschichte in €uro 06/21)