Dom in Münster (Foto: https://www.flickr.com/photos/v230gh/)

Dom in Münster (Foto: https://www.flickr.com/photos/v230gh/)

Die Preisrally ist vorerst zwar beendet, günstiger werden die Immobilien in der Universitätsstadt allerdings auch nicht. Der stetige Zustrom an Studenten hält die Nachfrage nach Single-Wohnungen hoch. In den besonders begehrten zentralen Lagen von Münster sinkt die Mietrendite teilweise extrem.

Einem knappen Angebot stehen in Münster eine hohe Nachfrage und hohe Ansprüche gegenüber. Die rund 55 000 Studenten der Stadt wollen zentral wohnen und sind kaum bereit, auf umliegende Stadtviertel auszuweichen. Käufer wollen gepflegte  Bestandsimmobilien oder nach modernen Standards errichtete Neubauten, sind aber preissensibler geworden. „Die Leute kaufen nicht mehr alles, was auf dem Markt ist“, sagt Stephan Harling, Gesellschafter bei Harling Immobilien. „Exzessive Steigerungen wie in den vergangenen Jahren sehen wir nicht mehr, der Markt pendelt sich auf hohem Niveau ein.“

Trotzdem spielt die Stadt preislich in Nordrhein-Westfalen bei den Großen mit: Laut LEG Wohnungsmarktreport 2014 war Münster 2013 insgesamt die Stadt mit den dritthöchsten Mieten — nach Köln und Düsseldorf. Die Nachfrage nach  Mietwohnungen, besonders nach Single-Apartments, reißt nicht ab. Münster ist Universitätsstadt und Sitz zahlreicher Gerichte und Verwaltungseinrichtungen. Die gute Wirtschaftslage und die hohe Lebensqualität sorgen für einen steten Bevölkerungszuwachs. Bis 2020 rechnet die Stadt mit 12 400 zusätzlichen Einwohnern. Eng wird es im Domviertel, in St. Mauritz und Sentrup, wo die Mieten zwischen 8,30 Euro und 10,43 Euro pro Quadratmeter liegen. Die Quadratmeterpreise für Wohneigentum haben im vergangenen Jahr zugelegt und im Kreuzviertel bereits die Marke von 3500 Euro geknackt. Wer hier kauft, um zu vermieten, sollte ganz genau hinschauen: Die Mietrendite liegt mit Ausnahme von Sentrup in allen Szenevierteln
bereits unter vier Prozent. Etwas entspannter ist die Lage in Gievenbeck, das in der Nähe des Universitätsklinikums liegt. Hier kostet Wohnraum 7,56 pro Quadratmeter. Doch selbst günstige Mietwohnungen sind nicht mehr billig: „Für umzugswillige Haushalte, die auf Lage und Qualität weniger großen Wert legen (können), war Münster die Stadt mit dem viertteuersten Angebot im gesamten Bundesland“, heißt es im LEG Wohnungsmarktreport.

Grundstücke sind gefragt. Laut Gutachterausschuss wurden zwischen vergangenem Juli und Dezember 125 Ein- und Zwei-Familien-Häuser verkauft, im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum 97. Der Umsatz stieg um fast 30 Prozent gegenüber 2013 auf 47,2 Millionen Euro. Besonders häufig wechselten Immobilien in der Preisspanne von 250 000 bis 500 000 Euro den Besitzer.

Außerhalb des Zentrums wollen Käufer am liebsten selbst bauen, in der Stadtmitte fällt die Wahl oft auf Neubauobjekte. Bei Münsters hübschen Altbauten schauen die Käufer mittlerweile genauer hin. „Bestandsimmobilien aus den 1950er- und 1960er- Jahren stehen nur dann hoch im Kurs, wenn sie preislich attraktiv sind und keinen Sanierungsstau aufweisen“, sagt Harling. Das Maklerhaus Dahler & Company stellte fest, dass sich Eigentumswohnungen bis 250 000 Euro besonders gut verkauften. Auch wenn Interessenten über die Preise zu stöhnen beginnen, bleibe die Nachfrage nach Immobilien in Münster konstant hoch, prognostiziert Makler Harling. Die Preise werden weiter steigen, wenn auch etwas langsamer.


TRIER

Die Stadt an der Mosel macht sich nicht nur als eine der ältesten Städte Deutschlands einen Namen, sondern  uch mit ihrer Lebensqualität: Mildes Klima, Weinberge und ein reiches kulturelles Erbe mit sage und schreibe acht UNESCO-Weltkulturerbestätten sprechen für sich. Als Touristenmagnet verzeichnet die Stadt jährlich mehr als 750 000 Übernachtungen.

Trier profitiert zudem von der Nähe zu Luxemburg. Die kaufkräftigen Einwohner des Großherzogtums kommen gern für eine Einkaufstour in die Römerstadt und viele Beschäftigte des Luxemburger Finanzsektors leben hier. Das ist auch auf dem Immobilienmarkt spürbar: Die Preise für Wohneigentum klettern seit Jahren kräftig, 2014 legten sie noch einmal um mehr als vier Prozent zu. In guten Lagen kostet der Quadratmeter mittlerweile mehr als 2000 Euro, Hanglagen mit exklusivem Blick können noch deutlich teurer werden. Die Nachfrage war zwischenzeitlich so groß, dass man bereits vom „Ausverkauf“ der alten Römerstadt unkte. Tatsächlich ist das Angebot noch immer knapp, doch vereinzelt wird neu gebaut.

Wohnen auf Kasernengelände. Im Ortsteil Feyen wird das ehemalige Kasernengelände der französischen Streitkräfte wiederbelebt. Für das Quartier Castelnau sind verschiedene Wohnformen geplant: Eigentumswohnungen im Mehrfamilienhaus, Einfamilienhäuser auf den Hangterrassen und Bungalows auf dem ehemaligen Exerzierplatz.


KOBLENZ

Koblenz stemmt sich gegen den Trend in Rheinland-Pfalz: Während die Zahl der Baugenehmigungen im Land der Reben und Rüben insgesamt zurückgeht, entsteht hier am Rhein Wohnraum. Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz zählte von Januar bis September vergangenen Jahres 70 Baugenehmigungen für Wohngebäude und 168 Zusagen für Wohnungen. Im gleichen Vorjahreszeitraum wurden lediglich 42 Wohngebäude und 103 Wohnungen genehmigt. Für Neubauten und Bestandsimmobilien, die 2014 auf den Markt kamen, wurde zehn Prozent mehr verlangt als 2013: In den beliebtesten Lagen kostete der Quadratmeter im Schnitt 2046 Euro.

Der Trend zur Rückkehr in die Stadt sorgt für Engpässe in der Altstadt, in Mitte und Südstadt. Hier werden Altbaumietwohnungen besonders stark nachgefragt, was die Preise deutlicher steigen lässt als in Lagen am Stadtrand. 2014 verteuerte sich der Quadratmeter um 3,5 Prozent auf 7,30 Euro. Insbesondere Wohnungen für Singles stehen hoch im Kurs. „Das größte Wohnungsangebot besteht in der Größenklasse zwischen 60 und 80 Quadratmetern, wobei es hier nur eine durchschnittliche Nachfrage gibt“, stellt die Stadtverwaltung in ihrem Masterplan fest. Koblenz will jährlich rund 30 neue Mietwohnungen auf den Markt bringen, die den Ansprüchen von sogenannten Best Agern über 50 und gut situierten Paaren gerecht werden.

Abgesehen vom Stadtzentrum ist Koblenz entlang der Ufer von Rhein und Mosel eher mit freistehenden Eigenheimen und Reihenhäusern bebaut. Besonders gefragt sind Reihenhäuser, die im Schnitt rund 190 000 Euro kosten. Ähnlich stark ist die Nachfrage nach hochwertigen Objekten, die aber nur vereinzelt angeboten werden. Auf der Halbinsel Oberwerth soll das frühere Hochschulgelände zum Musikerviertel umgestaltet werden. Das sechs Fußballfelder große Areal bietet Platz für Neubauten
und für Eigentumswohnungen in denkmalgeschützten alten Gemäuern.

Naturnahes Wohnen, eine gesunde Wirtschaft und kulturelle Vielfalt prägen Koblenz. Im Städteranking des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) belegt die Stadt in der Kategorie Lebensqualität Platz 3. Am Deutschen Eck kann man daher wohl auch künftig guten Gewissens investieren.

erschienen in €uro 05/2015