Stadtansicht (Foto: https://www.flickr.com/photos/ahorcado/)

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Die florierende Wirtschaft und eine hohe Lebensqualität ziehen immer mehr Menschen ins grüne Bonn. Wohnraum ist knapp; neu gebaut wird kaum. Mieten und Kaufpreise ziehen weiter ordentlich an und nähern sich dem Niveau von Köln. In einigen Stadtteilen drohen vereinzelt bereits Spekulationsblasen.

An den Ufern des Rheins wird es eng. Bonn punktet mit sehr guten Beschäftigungsaussichten, als internationaler Verwaltungsstandort, mit rund 20 UN-Einrichtungen und dem Sitz von Großkonzernen wie Deutsche Telekom, DHL oder Postbank. Neben dem Verteidigungsministerium haben noch fünf weitere Ministerien ihren ersten Amtssitz in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Die Bildungs- und Kulturlandschaft vor Ort gilt als erstklassig, die Infrakstruktur ist gut und der internationale Flughafen Köln/Bonn ist in rund 30 Minuten schnell erreichbar.

Den 311 000 Menschen, die derzeit in Bonn leben, stehen knapp 169 000 Wohnungen zur Verfügung. Das nordrheinwestfälische Landesamt für Statistik geht in seiner Bevölkerungsprognose davon aus, dass Bonn bis 2030 von allen Großstädten Nordrhein-Westfalens den zweitstärksten Bevölkerungszuwachs nach Münster verzeichnen wird.

Während die Nachfrage nach Wohnraum weiter wächst, entsteht nicht genügend neuer Wohnraum. Interessenten bleibt nichts anderes übrig, als ihren Suchradius auszuweiten. „Der Nachfragedruck auf dem Bonner Markt für Einfamilienhäuser hat viele Wohnungssuchende ins Umland gedrängt und dort ebenfalls die Preise steigen lassen“, heißt es im „Cityreport Wohnen“, für den das Forschungsinstitut Empirica mehr als 150 000 Inserate für die Region Köln/Bonn ausgewertet hat. Besonders im zwölf Kilometer entfernten Niederkassel steigen die Preise.

Dass Wohnraum knapp ist, zeigt sich auch bei den Angebotsmieten. Im Durchschnitt lagen sie 2014 pro Quadratmeter 2,29 Prozent über dem Vorjahresniveau. Am teuersten wohnt man in Südstadt, Weststadt, Bonn-Zentrum und Poppelsdorf, wo der Quadratmeter teilweise deutlich mehr als neun Euro kostet. Gleichzeitig sank laut LEG Wohnungsmarktreport 2014 die durchschnittliche Größe der angebotenen Wohnungen. Weiterhin großzügig wohnt man dagegen in den Rheinlagen im Süden.

In den Innenstadtlagen legen die Kaufpreise für Immobilien zwar weiterhin kräftig zu, doch die Steigerungen fallen weniger drastisch aus als in den Vorjahren. Der Quadratmeter verteuerte sich im Schnitt um 7,65 Prozent. Die Weststadt kratzt mittlerweile an der 3000-Euro-Marke, die Mietrendite ist — wie in Nordstadt, Poppelsdorf und Venusberg — unter vier Prozent gesunken.

Mancher Verkäufer übertreibt: „Der anhaltende Nachfrageüberhang führt vereinzelt dazu, dass die veröffentlichten Angebotspreise weit über das Ziel hinausschießen“, beobachtet der Geschäftsführer des Bonner Maklerhauses Limbach Immobilien, Wieland Münch. Wohnraum zu marktgerechten Preisen finde innerhalb kurzer Zeit einen neuen Eigentümer, sagt Münch. Er glaubt, dass die einfachen und mittleren Lagen und die Gemeinden an der nördlichen und westlichen Stadtgrenze künftig steigende Bevölkerungszahlen und höhere Preise sehen werden. In Bezirken wie Tannenbusch und Dransdorf muss bis dahin aber noch einiges passieren: Immobilien sind hier noch vergleichsweise günstig, weil die Viertel mit einem schlechten Ruf
zu kämpfen haben.

erschienen in €uro 05/2015