Auf der Leinwand sprühten sie Funken, hinter den Kulissen krakeelten sie: Wenn Filmpartner einander nicht ausstehen können – vom vergifteten Streit bei „Sex and the City“ bis zu Bissen bei Bettszenen.

Ihre Freundschaft war Vorbild für Millionen Fans von „Sex and the City“. Wann immer Sarah Jessica Parker in der Rolle der New Yorker Kolumnistin Carrie Bradshaw unter Beziehungsproblemen litt, konnte sie sich auf ihre drei Freundinnen verlassen. Besonders Samantha Jones – gespielt von Kim Cattrall – gab ihr zuweilen brutal ehrliche Ratschläge.

Vor einigen Wochen nahm Cattrall, 61, auch im realen Leben kein Blatt vor den Mund: „Meine Mutter hat mich heute gefragt: ‚Wann wird dich Sarah Jessica Parker, diese Heuchlerin, in Ruhe lassen?'“, schrieb sie auf Instagram. „Deine ständigen Kontaktaufnahmen sind eine Erinnerung daran, wie grausam du damals wirklich warst und bis heute bist. Lass es mich SEHR klar ausdrücken (falls ich es noch nicht getan habe). Du bist nicht Teil meiner Familie. Du bist nicht meine Freundin. Ich schreibe ein letztes Mal, um dir zu sagen, dass du aufhören sollst, unsere Tragödie dafür zu benutzen, dein Image als ’nettes Mädchen‘ zu pflegen.“

Auslöser für Cattralls Ausbruch war der Tod ihres Bruders Chris, der Anfang Februar tot auf seiner Farm in Kanada gefunden wurde. Nachdem die Schauspielerin den Schicksalsschlag auf Instagram bekannt machte und um Privatsphäre für ihre Familie bat, sprachen unzählige Fans ihr Beileid aus, ebenso ihre Kolleginnen von „Sex and The City“: Cynthia Nixon kondolierte per Telefon, Sarah Jessica Parker in einem Kommentar zu Cattralls Instagram-Post. Cattrall bedankte sich bei ihren Fans und Kollegen – und wandte sich dann in einer gesonderten Botschaft ausdrücklich an und gegen Sarah Jessica Parker.

Ego, Gagen, Zickereien

Schon vor Cattralls Ausbruch meldeten sich immer wieder Insider zu Wort, die eine vergiftete Atmosphäre am Set, Eifersüchteleien und über Jahre gewachsene Feindschaften unter den Serienstars schilderten. Parker soll sich zu Beginn der freizügigen TV-Serie bedroht gefühlt haben, weil Cattrall, die bis dahin prominenteste im Schauspielerinnenquartett, die Kamera magisch anzog.

Nach zwei Staffeln wurde der „Sex and the City“-Schöpfer Darren Starr durch den Produzenten Michael Patrick King ersetzt, einen engen Freund von Parker. Sie bekam mehr Einfluss, auch auf das Drehbuch, als sie zum Executive Director befördert wurde. Bei Liebesszenen behielt Parker den BH an; Cattralls Körper hingegen wurde den Zuschauern über die Jahre sehr vertraut.

Als die Serie zum Quotenhit wurde, plädierte Cattrall für eine Bezahlung nach dem Vorbild des TV-Erfolgs „Friends“; dort bekamen alle Castmitglieder für jede Episode die gleiche Summe. Stattdessen wuchs Parkers Gage stärker als die ihrer Kolleginnen. Schließlich soll sich das Gefüge am Set so verschoben haben, dass Parker mit ihren Kolleginnen Kristin Davis und Cynthia Nixon gemeinsam zu Mittag aß, während Cattrall außen vor blieb. „Wenn ich sie vermisse, kann ich eine DVD einlegen wie jeder andere auch“, sagte sie 2004 zum Ende der Show und der Zusammenarbeit mit ihren Serienfreundinnen.

Mit ihrer Zusage für die beiden Kinofilme 2008 und 2010 zögerte Cattrall und verlangte, ganz nach dem Vorbild der hartgesottenen Geschäftsfrau Samantha, eine gerechtere Bezahlung. In der Klatschpresse mehrten sich die Vorwürfe, damit habe sie den Drehbeginn verzögert. Auch das Scheitern des geplanten dritten Films wurde Cattralls Gagenvorstellungen zugeschrieben. Daraufhin sagte sie in einem britischen TV-Interview mit Piers Morgan, dass ein dritter Film für sie nie in Frage kam: „Das ist eine klare Entscheidung in meinem Leben, ein Kapitel abzuschließen und eine neues zu beginnen. Ich bin 61. Es ist die richtige Zeit.“

Filmküsse und Bisse

Schwer genug, vor der Kamera eine Freundschaft zu spielen, wenn man sich nicht mag. Schlimmer noch, wenn man den Filmpartner in einem Liebesfilm nicht ausstehen kann. Julia Roberts und Nick Nolte mussten sich 1994 für den Film „I Love Trouble – Nichts als Ärger“ zusammenreißen, um ihre Romanze authentisch wirken zu lassen: Auf der Leinwand konkurrieren sie als Journalisten um eine große Story und geraten dabei in die Schusslinie eines Mörders. Sie beschließen zusammenzuarbeiten, heiraten zur Tarnung in Las Vegas und – na klar: verlieben sich ineinander.

Bei den Dreharbeiten hingegen entwickelte sich die Beziehung der Schauspieler genau umgekehrt; am Ende hatte keiner der beiden etwas Nettes über den anderen zu sagen. Ein „abscheulicher Mensch“, giftete Roberts 1993 in der „New York Times“ über Nolte. Der konterte: „Es ist nicht nett, jemanden abscheulich zu nennen – aber sie ist eben auch kein netter Mensch. Jeder weiß das.“

Am Set des Erotikthrillers „Sliver“ ging Sharon Stone einen Schritt weiter, schrieb „Sliver“-Drehbuchautor Joe Eszterhas in einem Buch: Sie habe Billy Baldwin bei heißen Sexszenen mehrmals auf die Zunge gebissen, weil er ihr zu stürmisch vorging, und nach Kussaufnahmen zu Mundwasser gegriffen. Baldwin hatte zuvor gegenüber einem Crewmitglied über Stone gelästert: „Dünne Lippen, mittelmäßiger Atem…“

War früher alles besser, sind die Sitten verroht? Keineswegs: Auch Schauspieler früher Hollywoodklassiker vergaßen am Set die guten Manieren. So konnte Shelley Winters am Set des Musikfilms „Zu allem entschlossen“ (1951) nichts mit ihrem Filmpartner Frank Sinatra anfangen. Wiederholt stritten die beiden lauthals am Set – Winters soll Sinatra sogar einmal ins Gesicht geschlagen haben.

„O-beiniges blondes Miststück“

Der Frauenheld beschrieb sie später wenig charmant als „o-beiniges blondes Miststück aus Brooklyn“, während Winters ihn einen „mageren untalentierten Bastard aus Hoboken“ nannte. Knapp drei Jahrzehnte später konnte sich Winters noch gut an ihre Feindschaft mit Sinatra erinnern und verglich ihn in einem TV-Interview mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Empörte Berichte von Schauspielern, die sich von Starregisseuren schikaniert sahen, gibt es in der Filmgeschichte zuhauf. Bisweilen läuft es aber auch umgekehrt: Legendär spannungsgeladen war etwa die Beziehung zwischen Werner Herzog und Klaus Kinski. Der kultivierte, disziplinierte Regisseur und der Leinwandberserker, exzentrisch bis zum Furor – eine Symbiose, die Herzog selbst als „schicksalhaft“ beschrieb: „Wir hätten uns fast ermordet.“

Fünf Filme schufen sie zusammen, jeder einzelne eine mentale Herausforderung für das gesamte Team. Für „Aguirre, der Zorn Gottes“ drehte Herzog 1972 mitten im Urwald Südamerikas. Zu den Strapazen der Wildnis und dem unwirtlichen Klima kamen regelmäßige Tobsuchtsanfälle Kinskis. „Sie müssen endlich aufhören, mir Ihre Hausfrauenanweisungen zu geben“, brüllte er einmal, bevor er Herzog als „Zwergenregisseur“ beleidigte.

Der ließ seinen hysterischen Star mal toben, mal sprach er mit ruhiger Stimme auf ihn ein. Demütigungen seien ein Wesensbestandteil von Filmen. „Er war das einzige Genie, dem ich je begegnet bin“, sagte Herzog nach Kinskis Tod 1991 und arbeitete die Wahnsinnsbeziehung acht Jahre danach im Dokumentarfilm „Mein liebster Feind“ auf. „Wir haben uns gegenseitig zum Äußersten getrieben„, sagte er dem SPIEGEL.