Straßenzug in Hannover (Quelle: Flickr)

Hannover ist eine B-Stadt mit Bestnoten. Obwohl die Nachfrage unverändert hoch ist und die Preise weiter steigen, sind noch immer solide Mietrenditen möglich. Für Investoren rücken aufstrebende mittlere Lagen in den Fokus.

Grüne Umgebung, starke Wirtschaft, bekannter Messe- und Wissenschaftsstandort: Mit diesen Attributen punktet Niedersachsens Landeshauptstadt. Das zieht neue Einwohner an: Bis 2025 werden laut Prognose der Bertelsmann Stiftung 537 000 Menschen in Hannover leben. Zusätzlich hat sich die Stadt selbst eine Schönheitskur verordnet und das Zentrum mit Neubau- und Sanierungsobjekten aufgehübscht: Am Rathaus wurde der Trammplatz erneuert, der Klagesmarkt wird durch ein neues Gebäudeensemble mit Gewerbe- und Wohnimmobilien belebt. Die Messestadt ist bei Käufern beliebt: „Auf dem Wohnimmobilienmarkt in Hannover herrscht seit Jahren ein  Nachfrageüberhang, der durch den anhaltenden Zuzug stetig verstärkt wird“, heißt es im Marktbericht von Engel & Völkers.

Laut Wirtschaftsinstitut Prognos ist Hannover eine von zehn Regionen mit besonders hohem Nachfragedruck, in denen langfristig die wachsende Zahl der Haushalte und die steigende Wohnungsnachfrage zu einem angespannten Wohnungsmarkt führen. Der Trend zu mehr Singlehaushalten verstärkt den Druck zusätzlich. Nach Prognos-Hochrechnungen wird sich die Angebot-Nachfrage-Relation in den kommenden Jahren weiter verschlechtern und der Druck entsprechend zunehmen: Bleibt die Bautätigkeit gleich, fehlen im Jahr 2030 insgesamt 54 000 Wohnungen.

Mittlere Lagen profitieren. Die Zahl der Transaktionen ist seit 2012 zwar leicht rückläufig, das Umsatzvolumen hingegen steigt. „Stadtteile mit deutlichem Nachfrageüberhang sind weiterhin die seit Jahren beliebte List, die Oststadt, Kirchrode, das Zooviertel und die Südstadt“, sagt Dirk Streicher, Geschäftsführer von Delta Domizil. Das Zooviertel und Waldhausen sind weiterhin die Toplagen mit Preisen bis 2900 Euro pro Quadratmeter. Käufer fragen insbesondere sanierte Altbauten nach und akzeptieren für ihre Traumimmobilie sogar Liebhaberpreise. Für eine Stadtvilla in Premiumlage werden bis zu 1,5 Millionen Euro fällig.

Die Nordstadt und Linden-Nord zählen laut Streicher mittlerweile zu den aufstrebenden mittleren Lagen. Hier liegt der Quadratmeterpreis zwischen 1600 und 1900 Euro, Tendenz weiter steigend. Aufsteiger ist Linden-Mitte: In dem quirlig-kreativen Stadtviertel verteuerten sich Immobilien um 11,27 Prozent auf 1900 Euro pro Quadratmeter. Stärker als in Linden-Mitte legten die Preise nur in Oststadt und Südstadt zu.

Die bisherigen B-Lagen rufen mittlerweile verstärkt Anleger auf den Plan: „Bis zu 15 Prozent der Käufer erwerben Eigentumswohnungen zur Geldanlage in den interessanten guten Lagen wie Döhren, Linden und der Südstadt“, beobachten die Makler von Engel & Völkers. Für Kleinanleger werden Immobilien in   zentralen Lagen mittlerweile hingegen zu teuer und rechnen sich nur knapp. Käufer sollten hier ganz genau hinschauen.

Wer im Zentrum nicht fündig wird, geht ins grüne Kirchrode oder Isernhagen. „In der Region muss man für ein durchschnittliches Einfamilienhaus, das nicht älter als 15 Jahre ist, 350 000 bis 500 000 Euro ausgeben“, so die Makler von Dahler & Company. Ein- und Zweifamilienhäuser in einfachen und mittleren Lagen verteuern sich weiter. Auch im Neubaubereich übersteigt die Nachfrage das Angebot. In Misburg entsteht unweit der Medizinischen Hochschule das Wohnprojekt SüdSüdWest. In unmittelbarer Nähe zum Mittellandkanal und dem Misburger Wald werden in vier Bauabschnitten 113 Mietwohnungen errichtet. Obwohl der letzte Abschnitt erst diesen Sommer fertiggestellt wird, ist das Gros der Wohnungen bereits vermietet.

Nicht weit entfernt baut Helma Wohnungsbau zwischen Mittellandkanal und Tiergarten drei Reihenhäuser und ein Mehrfamilienhaus. Die Reihenhäuser sind knapp 140 Quadratmeter groß und werden für 432 000 Euro angeboten. Das Mehrfamilienhaus beherbergt drei Einheiten mit Wohnflächen zwischen 84 und 125 Quadratmetern und Kaufpreisen ab 319 000 Euro.

In Limmer soll auf dem ehemaligen Gelände des Continental-Reifenwerks die „Wasserstadt Limmer“ entstehen. Die Landzunge ist seit Jahren im Sommer als Naherholungsgebiet beliebt. Das 23 Hektar große Areal soll künftig Platz für 1600 bis 2000 Wohnungen bieten. Die Planungen für das städtebauliche Großprojekt werden derzeit noch überarbeitet: Unklar ist, ob Teile der alten Fabrikgebäude in Lofts umgewandelt werden.

(€uro 05/2016)