Neues Rathaus (Foto: https://www.flickr.com/photos/trombone65/)

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Mit Ausbruch der Finanzkrise nahm die Bautätigkeit in Hannover ab. Folge: ein Nachfrageüberhang. Nun sollen eine Wohnungsbauoffensive und eine Schönheitskur für die Innenstadt die Wende bringen. Noch locken attraktive Mietrenditen. Kaufinteressenten müssen mit anziehenden Preisen rechnen.

Niedersachsens Landeshauptstadt erwartet bis 2030 ein Bevölkerungswachstum um rund 3,7 Prozent auf 543 000 Einwohner. Schon jetzt lebt ein Drittel der Bevölkerung in einem Einpersonenhaushalt. Hannover ist laut Statistischem Bundesamt unter den 15 größten deutschen Städten diejenige mit dem größten Anteil an Alleinlebenden.

Hannover punktet als lebendiger Wirtschafts- und Forschungsstandort. Die Hannover Messe und die Cebit sind weltweit  beachtete Schauen, die 2014 mehr als 370 000 Besucher in die Stadt zogen. Die Konzerne VW Nutzfahrzeuge, Continental, TUI und Bahlsen haben hier ihren Sitz. Mit neun staatlichen und privaten Hochschulen ist die Stadt ein wichtiger Wissenschaftsstandort. Maschsee, Stadtwald und die Gärten in Herrenhausen sind beliebte Naherholungsgebiete. „Hannover bleibt attraktiv für Anleger“, sagt Insa Sophia Cornelius, Geschäftsführerin beim Immobilienmakler Dahler & Company in Hannover. Mieten und Preise steigen moderat bis kräftig, die durchschnittliche Mietrendite beträgt mehr als fünf Prozent.

Überall wird gebaut. Weil bis 2030 etwa 7900 zusätzliche Wohnungen gebraucht werden, hat die Stadt das Wohnkonzept 2025 beschlossen. Dadurch sollen 8000 bis 12 300 Wohneinheiten entstehen, davon bis 2019 jährlich 100 geförderte Einheiten. Das Programm Hannover City 2020+ soll die Innenstadt architektonisch beleben. Am Rathaus strahlt der Trammplatz im neuen Blütenmuster, rechts der Leine sind vier City-Quartiere mit Miet- und Eigentumswohnungen geplant. „Mangelhafte Wohnlagen
wie der Klagesmarkt, die unmittelbar an das Stadtzentrum grenzen, gewinnen an Attraktivität. Das Stadtbild verbessert sich merklich“, sagt Cornelius. Am Klagesmarkt, Marstall, am Hohen Ufer und am Köbelinger Markt wohnt man zentral und — nach  dem Willen der Stadtverwaltung — zu fairen Preisen. In Mitte kostete der Quadratmeter zuletzt durchschnittlich 7,59 Euro. Neubauten sind deutlich teurer.

Käufer investieren laut Engel & Völkers im Schnitt je nach Lage zwischen 400 000 und 800 000 Euro. „Selbstnutzer fragen häufig Altbauwohnungen mit Stilelementen nach“, berichtet Cornelius. Gesucht werden laut HypoVereinsbank hauptsächlich Wohnungen ab 80 Quadratmeter. Die hohe Nachfrage treibt Mieten und Preise. Den deutlichsten Preissprung gab es in der Südstadt: Ende 2014 kostete der Quadratmeter im Schnitt 2452 Euro, 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Teurer ist nur das Zooviertel. Dort entstehen im Mosaik Eilenriede Mietwohnungen für im Schnitt 13 Euro den Quadratmeter.

Durch die Nähe zum Wasser wird es auch in Linden Mitte und Linden Süd teurer. Potenzial haben laut Cornelius auch Vahrenwald, Hainholz und Limmer, wo das frühere Conti-Gelände auf einer Landzunge bebaut werden soll. Eine Bürgerinitiative kritisiert den aktuellen Entwurf, der bis zu 2000 Wohnungen vorsieht. Engel & Völkers sieht für Investoren Chancen in Döhren. „Hier sind unsanierte Altbauten derzeit noch günstiger als in innenstadtnahen Lagen zu haben.“ Käufer sollten jedoch die Sanierungskosten auf der Rechnung haben.

erschienen in €uro 05/2015