Eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt hat TUI-Chef Friedrich Joussen im Reisekonzern aufgeräumt und die vielversprechende Fusion mit TUI Travel eingeleitet.

Tui-Chef Friedrich Joussen (Foto: Stefan Thomas Kroeger)

Tui-Chef Friedrich Joussen (Foto: Stefan Thomas Kroeger)

Der weltgrößte Reiseanbieter kommt bald aus Deutschland. Die TUI AG fusioniert mit der britischen Tochter TUI Travel Plc zum Branchenriesen, wenn die Aktionäre Ende Oktober zugestimmt haben. Im Interview mit Bloomberg preisen
TUI-Chef Friedrich Joussen und TUITravel-Boss Peter Long bereits das Wachstumspotenzial, das der Zusammenschluss mit sich bringen soll. Der geschätzte Wert des Unternehmens liegt bei 6,5 Milliarden Euro; hinzu kommen
Kosteneinsparungen von 65 Millionen Euro und 35 Millionen Euro steuerliche Ersparnis.

Die treibende Kraft hinter der Fusion ist Joussen. Gerade 500 Tage im Amt, hat der 51-Jährige ein Restrukturierungsprogramm am Firmensitz in Hannover durchgepeitscht sowie Umsatz und Gewinn  gesteigert. Und die Aktionäre mit
einem steigenden Kurs sowie einer Dividende beglückt.

Als der ehemalige Vodafone-Manager im Februar 2013 den Vorstandsvorsitz von Michael Frenzel übernimmt, weist TUI einen Umsatz von 18,3 Milliarden Euro und einen Gewinn von 142 Millionen Euro aus, während die Nettoverschuldung
178 Millionen Euro beträgt. Frenzel hatte mit mehreren Strategieschwenks den Turnaround herbeiführen wollen und war stets gescheitert. Während die Konzerntochter TUI Travel 90 Prozent des Gewinns erwirtschaftete, verbrannte die Holding in Hannover eifrig Geld. Frenzels Abschied gerät zum Trauerspiel, Aktionärsvertreter Ingo Speich wirft ihm eine „Regentschaft des Niedergangs“ vor.

Dann kommt Joussen. Er packt an, präsentiert 100 Tage nach Amtsantritt den Aktionsplan oneTUI. Er kündigt Sponsorenverträge, stellt Firmenbeteiligungen auf den Prüfstand und trennt sich vom Firmenjet. Rund 100 Mitarbeiter
müssen gehen. „Ich bin mir der Verantwortung, die ich als Vorstandsvorsitzender für meine Mitarbeiter trage, sehr bewusst“ erklärt er. Dennoch sei der Stellenabbau unumgänglich, um TUI wieder auf Kurs zu bringen.

Die Zahlen geben ihm recht. Innerhalb eines Jahres steigt der Gewinn bei nahezu gleichem Umsatz auf 187 Millionen Euro, die Nettoverschuldung halbiert sich auf 68 Millionen Euro. „Das Restrukturierungsprogramm war eine
Notoperation. Jetzt ist der Patient im Heilungsverfahren“, sagt Michael Gierse, Analyst bei Union Investment.

Mit der angestrebten Fusion der beiden TUI-Konzerne wird das Hotel- und Kreuzfahrtangebot in das Vertriebsgeschäft integriert, um die konzerneigenen Unterkünfte besser auszulasten. Zudem will Joussen die TUI-Markenwelt weiter
straffen. Nach dem angestrebten Börsengang der Container-Reederei Hapag- Lloyd will sich TUI von seinem 22-Prozent-Anteil trennen. In die Prestigeobjekte wird hingegen investiert: Die „Mein Schiff“- und „TUI Cruises“-Flotten sollen
bis 2016 auf zwölf Schiffe aufgestockt werden, die Zahl der RIU- und Robinson-Hotels soll um 30 Häuser wachsen.

Die größte Herausforderung aber wartet online. „Künftig wird es einen Wettbewerb der Vertriebs- und Infokanäle geben“, sagt Helmut Wachowiak, Professor für Tourismusmanagement an der Internationalen Hochschule Bad Honnef Bonn. In Konkurrenz zu den Internet-Reiseagenturen müsse sich TUI über den Inhalt differenzieren, glaubt Joussen. Er sieht sich als Komplettanbieter — vom Flug bis zum Hotel.

Trotz Online-Offensive und Direktvertrieb darf der Konzern aber seine Wurzeln nicht vernachlässigen: „Die TUI hat bei solchen Versuchen in der Vergangenheit immer lernen müssen, dass sie die Beziehung zu den Reisebüros halten muss“, warnt Tourismusexperte Wachowiak.

Doppelspitze. Dabei kann Peter Long, der mit Joussen zunächst eine Doppelspitze bildet, helfen. Der TUI-Travel-Chef ist seit 30 Jahren in der Branche und hat den Job von der Pike auf gelernt. 2016 übernimmt der Brite dann den Aufsichtsratsvorsitz und wird formal Joussens Chef.

Die TUI-Aktionäre stimmen am 28. Oktober auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Fusion ab. Gierse geht von einem positiven Ergebnis aus. Die britischen Aktionäre werden ihr angesichts der in Aussicht gestellten
Sonderdividende wohl ebenfalls Ende Oktober ihren Segen erteilen. Spätestens dann kann Antreiber Joussen die nächste Stufe der TUI-Sanierung zünden.

erschienen in €uro 11/2014