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(Foto: Flickr)

Geboren 1941 in Brooklyn, schloss sich Bernard („Bernie“) Sanders während des Studiums einer sozialistischen Jugendorganisation an. Von 1971 bis 1977 war er Mitglied der demokratisch-sozialistischen Liberty Union Party, 1981 wurde er als unabhängiger Kandidat Bürgermeister der Stadt Burlington in Vermont. Von 1991 bis 2007 saß er für den Bundesstaat im Kongress, dann zog er in den Senat ein. Bei den Vorwahlen 2016 unterlag er Hillary Clinton. Obwohl Sanders für die Demokraten antritt, sieht er sich als unabhängig.

Mit dem Slogan „Nicht ich. Wir.“ will Bernie Sanders Unterstützer hinter sich versammeln, um bei der US-Wahl gegen Donald Trump anzutreten. Sanders will die Macht von Milliardären und Großkonzernen beschränken und verweigert sich der  Einflussnahme auf Politik durch Großspender und Super-PACs – jenen Lobbygruppen, die Kandidaten mit millionenschweren Spenden unterstützen. Er betreibt eine „Grassroots“-Kampagne, die nur Kleinspenden annimmt: Im Februar sammelte er 2,2 Millionen Spenden mit durchschnittlich 21 Dollar ein, insgesamt 46,5 Millionen Dollar.

Der linke Senator aus Vermont verspricht radikale Änderungen: Eine Krankenversicherung sei das Recht jedes Einzelnen. Bis heute können sich 28,5 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung leisten. Sanders will außerdem Universitäten und Colleges kostenlos machen.

Mit dem „Green New Deal“ will er erneuerbare Energien fördern vor und so zahlreiche Jobs schaffen. Sein System der Umverteilung begeistert viele junge Amerikaner, sie machen Sanders’ größte Anhängerschaft aus. Auch bei den Latinos punktet er. Nachdem er im Vorwahlkampf 2016 noch vergleichsweise schwach bei der Wählergruppe abschnitt, verwendete er viel Zeit darauf, seine Forderungen nach fairen Löhnen und einem besseren Einwanderungssystem bei ihnen bekannt zu machen. Bei Afroamerikanern hat Sanders hingegen weniger Rückhalt, sie identifizieren sich eher mit Joe Bidens moderaten Ideen. Am schwächsten schneidet er bei Wählern über 45 und Wohlhabenden ab.

Denn um seine Pläne zu finanzieren, will Sanders Reiche, Wall-Street-Giganten und Konzerne zur Kasse bitten. Damit macht er sich Feinde: Ex-Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein kritisierte ihn auf Twitter: „Sanders polarisiert genauso wie Trump UND er wird die Wirtschaft ruinieren und interessiert sich nicht für unser Militär.“ Sanders nahm die Kritik als Steilvorlage: „Ich freue mich über den Hass der Betrüger, die unsere Wirtschaft zerstört haben.“ Damit kann er sich allerdings nicht als Kandidat inszenieren, der alle Amerikaner hinter sich vereint.

Auch sein Alter gibt zu denken. Bei der Wahl im November ist Sanders 79 Jahre alt, am Ende der vierjährigen Präsidentschaft wäre er 83. Im Oktober 2019 erlitt er einen Herzinfarkt. Kurz darauf sprach ihm die populäre linke Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez ihre Unterstützung aus und gab seiner Kampagne wieder Aufwind. Doch Fragen um seine Gesundheit bleiben: Das Arbeitspensum eines US-Präsidenten ist mindestens so hoch wie das eines Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf.

Sanders bezeichnet sich als Sozialist, was in den USA für Vorurteile sorgt. Vielen sind seine Ideen zu radikal. Sanders ist das egal: Er will keinen Kuschelkurs, er verspricht Revolution.

(€uro 04/2020)