Eilmeldung am 5. Juni: Der deutsche Leitindex DAX erreicht den bisher höchsten Stand seiner Geschichte, knackt die 10 000-Punkte-Marke. Aber was passiert da eigentlich auf dem Börsenparkett? Unicum gibt Nachhilfe, damit ihr in den Pausen mitreden könnt.

 

Handelsraum in Frankfurt (photo: flickr.com/photos/bankenverband/)

Handelsraum in Frankfurt (photo: flickr.com/photos/bankenverband/)

WIE FUNKTIONIERT DIE BÖRSE?

Fachleute vergleichen die Börse gern mit einem Wochenmarkt: Käufer verhandeln mit dem Verkäufer am Marktstand über den Preis einer Ware. Die Börse funktioniert nach dem gleichen Prinzip – allerdings virtuell. Hier wechseln keine realen Waren den Besitzer. Wer eine Kauforder aufgibt, bekommt wenig später einen Wert in seinem Depot gut geschrieben. Im Gegenzug wird ihm Geld vom Konto abgebucht.

Gehandelt wird per Computer. Der Käufer übermittelt seine Kaufentscheidung per Internet zu einem Händler an der Börse, der die Order an den Verkäufer weiterleitet. Kauf und Verkauf laufen immer über einen Händler als Mittelsmann, der dabei bestimmte Vorgaben beachten muss. Die Regeln werden von der Börse und Regulierungsbehörden vorgegeben. Sie sollen sicherstellen, dass beim Handel alles mit rechten Dingen zugeht und die Werte hinter den Aktien, sprich Unternehmen und ihre Angestellten, keinen Schaden nehmen.

WELCHE BÖRSEN GIBT ES UND WAS KANN GEHANDELT WERDEN?

Grundsätzlich kann an der Börse alles gehandelt werden. Angefangen von Nahrungs mitteln über Rohstoffe bis hin zu Strom. Seit 1848 werden Weizen, Mais und Sojaprodukte am Chicago Board of Trade (CBOT) gehandelt. Das New York Board of Trade ist Weltmarktführer im börslichen Zuckerhandel. Die New York Mercantile Exchange ist ein Umschlagplatz für Erdöl, Erdgas und Benzin. Den Börsenhandel mit Metallen dominiert die Londoner Metal Exchange. Wurde anfangs nur Kupfer gekauft und verkauft, werden heute auch Blei, Zink, Zinn und Nickel gehandelt. Auch in Deutschland gibt es solche Rohstoffbörsen, zum Beispiel die Baumwollbörse in Bremen. Die bekanntesten Börsenplätze sind die Wall Street in New York oder in Deutschland die Börse Frankfurt.

WELCHE INVESTMENTFORMEN GIBT ES?

Die gängigste Form des Investments ist die Aktie. Mit dem Kauf einer Aktie erwirbt der Investor streng genommen einen Anteil an einem Unternehmen, seinen Maschinen und Produkten. Die Aktie garantiert ihm den Wert dieses Unternehmensanteils und wird daher Wertpapier genannt. Mit ihrem Kauf wird der Investor Miteigentümer der Aktiengesellschaft und hat Anspruch auf eine Erfolgsbeteiligung. Der erwirtschaftete Gewinn wird in Form der Dividendenzahlung einmal im Jahr unter allen Miteigentümern aufgeteilt.

Neben der Aktie gibt es eine Reihe weiterer Anlagemöglichkeiten: Mit einem Investmentfonds kann man in Aktien, Immobilien oder Anleihen (siehe unten) investieren. Ein Fondsmanager übernimmt die Zusammenstellung der richtigen Papiere, dafür wird eine Gebühr fällig.

Weniger Kosten fallen bei der Investition in einen Exchange Traded Fund (ETF) an, der direkt an die Entwicklung eines Index gekoppelt ist. Ebenfalls an einen Index oder die Entwicklung einer Aktie gekoppelt sind Zertifi kate – sie eignen sich eher nicht für Börsenneulinge.

Als sicherer Hafen gelten Anleihen, die von Unternehmen oder Staaten ausgegeben werden. Sie haben einen festen Zins, weshalb Anleger vor allem in unsicheren Zeiten gern in Anleihen investieren. Der drohende Staatsbankrott Griechenlands trieb Investoren scharenweise dazu, griechische Staatsanleihen abzustoßen und in Papiere wirtschaftlich stabilerer Länder zu investieren.

WIE ENTSTEHT DER PREIS EINER AKTIE?

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage ist entscheidend für die Preisbildung eines Wert papiers. Je besser ein Unternehmen dasteht und je mehr Gewinn es macht, umso begehrter sind die Aktien. Immer mehr Investoren wollen am Erfolg des Unternehmens teilhaben. Die Nachfrage steigt, das treibt den Preis – besser bekannt als Aktienkurs. Entscheidend ist dabei auch die Berichterstattung in den Medien. Die Vorstellung eines neuen Produktes, ein Bericht über ein Tanker unglück oder ein Artikel über eine politische Entscheidung können den Kurs einer Aktie beeinflussen.

Laptops, Smartphones und Unterhaltungselektronik aus dem Hause Apple sind begehrt. Aktuell kostet eine Aktie 455 Euro – damit ist das US-Unternehmen eines der teuersten an der Börse. Zum Vergleich: Die Aktien der deutschen Autobauer Volkswagen und BMW stehen momentan bei 192,60 Euro und 90,89
Euro (Stand Anfang Juni).

WIE WIRD GEHANDELT?

Wer Wertpapiere kaufen will, braucht zunächst ein Depot bei einer Bank. In diesem Depot werden alle Kauf- und Verkaufsaufträge gebucht. Die Preise und Gebühren beim Wertpapierhandel werden vom Girokonto des Anlegers abgezogen.

Der Anleger teilt der Bank oder dem Händler mit, welches Wertpapier er kaufen will. Dafür übermittelt er die Wertpapierkennnummer (WKN) oder ihr internationales Pendant ISIN. Außerdem legt er fest, wo und wie viele Aktien er kaufen will und ob er sie sofort erwerben will oder nur zu einem bestimmten Preis. Die eigentliche Buchung erfolgt dann per Computer über das Handelssystem der jeweiligen Börse. Mittlerweile gibt es sehr leistungsfähige Computer, Hochgeschwindigkeitshändler, die in Millisekunden Aufträge buchen. Das hat seine Tücken: Kauf und Verkaufsentscheidungen basieren allein auf Zahlen. Mitunter übersieht das System wichtige Informationen, was im schlimmsten Fall zu einem Kurssturz führen kann.

 

Börsenspiele
Planspiel Börse ist das größte und bekannteste Börsenspiel für Schüler und Studenten in Europa, gesponsert von der Sparkasse. Die Spielrunde startet am
1. Oktober. www.planspiel-boerse.de

Tradity ist ein Schüler projekt, das zur Verbraucherbildung beitragen will. Teilnehmer müssen ein virtuelles Startkapital von 100.000 Euro an der Börse Frankfurt gewinnbringend anlegen. Die aktuelle Runde des Wettbewerbs, der jedem offensteht, ist allerdings gerade beendet. (Start war Anfang Juni) www.tradity.de

Beim FAZ-Börsenspiel können 50 000 Wertpapiere zu virtuellen Gebühren gehandelt werden. boersenspiel.faz.net

 

erschienen in Unicum 07/2014