Der Fotopionier ist insolvent. Kodak hat zu lange an der Analogfotografie festgehalten und die Digitalisierung ignoriert. Fans lieben das Unternehmen dafür – und starten Hamsterkäufe.

Die Fans sind sich einig: „Kodak war meine erste Liebe“, schreibt ein Twitter-User namens Tillmann Allmer. Viele solcher Nachrichten finden sich am Donnerstag Vormittag auf Twitter. Kodak-Fans bedauern das drohende Ende des Fotopioniers. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich über Facebook und Twitter die Nachricht, das Unternehmen habe Insolvenz angemeldet. Auch Starfotograf Olaf Heine twittert: „@Kodak. Es war mir ein Vergnügen. Vielen vielen Dank für den Tri-X.“

Der Tri-X, das ist nach Unternehmensangaben der derzeit meistverkaufte Schwarz-weiß-Film der Welt. Liebhaber der Analogfotografie schwören auf seinen Schärfegrad und den Belichtungsspielraum. Für sie – Hobby- wie Berufsfotografen – ist das drohende Aus für Kodak ein GAU. Sie fürchten, dass der Analogfilm vom Markt verschwindet – wie schon so viele Schwarz-Weiß-Filme vor ihm.

Verschwinden die Rollfilme, drohen Preissprünge

Bestes Beispiel: Der Neopan 1600 vom Konkurrenten Fujifilm. Als die Japaner den Film vom Markt nahmen, schnellten die Preise in die Höhe. War ein Neopan-Film in Onlineshops vor seiner Einstellung für 3,50 Euro pro Stück zu haben, wird auf Ebay heute ein 10er-Pack für 90 Euro angeboten. Verschwinden die Kodak-Rollfilme vom Markt, drohen ähnliche Preissprünge.

Denn selbst wenn sich ein Investor findet, der Kodak wieder auf die Beine hilft – das Unternehmen hat bereits angekündigt, seine Konzernstruktur zu verschlanken und sich künftig auf zwei Geschäftssparten konzentrieren zu wollen: digitale Druckdienstleistungen im professionellen Markt und Rundum-Angebote für den Verbraucher.

Die Sparte mit traditionellen Fotoprodukten, die Kodak groß gemacht hat, wird das Unternehmen aller Voraussicht nach aufgeben. Verkaufszahlen und Gewinne der Analog-Fotografie gehen seit Jahren zurück – einer der Gründe, weshalb Kodak seit Jahren Verluste schreibt.

Die Lagerung ist ein Problem

Die wenigen verbliebenen Analogfotografen spielen deshalb bereits seit Wochen einen Plan B durch: Hamsterkäufe.

Einige gehen soweit, den Bedarf an Analogfilmen bis an ihr Lebensende zu kalkulieren. Problematisch ist dabei neben den horrenden Kosten allerdings ein anderer Punkt: Die Lagerung.

Denn Analogfilme sind mit einer Emulsion beschichtet, die für die Belichtung und Entwicklung des Films wichtig ist. Sie kann mit der Zeit leistungsschwächer werden, deshalb ist auf Filmen immer ein Verfallsdatum aufgedruckt. Nur die kühle und dunkle Lagerung, im Idealfall das Einfrieren der Filme, gewährleistet ihre Leistungsfähigkeit über den Ablauf ihres Verfallsdatums hinaus. Wer Filme kauft, muss also die Gefriertruhen gleich mitbestellen – und genügend Platz im Keller haben.

Der Hamburger Modefotograf J. Konrad Schmidt (BFF) kennt sich damit aus: Er fotografiert zwar überwiegend digital. Zuweilen nimmt er aber auch Aufträge an, für die er auf die Sofortbildtechnik Polaroid zurückgreift. Auch diese sogenannten Trennbildfilme sind längst aus den Ladenregalen verschwunden. Ein Paket mit 20-Polaroid-Blättern kostet mittlerweile 170 Euro. Schmidt geht immer wieder auf die Jagd nach Nachschub – und lagert sie in seinem Studio im Kühlschrank.

Ein Kodak-Film als Markenzeichen

Für künstlerische Projekte und privat nutzt Schmidt ansonsten den Kodak Tri-X 400. Er hält den Schwarz-Weiß-Film für unersetzlich. Deshalb hat er in den vergangenen Wochen wiederholt über eine Sammelbestellung gemeinsam mit befreundeten Fotografen nachgedacht. Sogar über Lagerflächen im Hamburger Hafen und die Kosten von Gefriertruhen hat er schon Erkundigungen eingeholt.

Berühmte Kollegen haben es in der Vergangenheit vorgemacht. Der Magnum-Fotograf Alex Webb nutzte jahrelang den berühmten Kodachrome-Rollfilm für seine Projekte. Die Fotos, die er mit diesem Film machte, wurden sein Markenzeichen. Als Kodak den Film vom Markt nahm, kaufte er ihn in Massen auf, um seine Arbeit ungestört fortsetzen zu können.

Fotografen und Analog-Liebhabern bleibt derzeit nur eine Hoffnung: Dass der einstige Fotopionier neue Finanzquellen auftut, um die Arbeit fortzusetzen. Und dabei seine Wurzeln nicht vergisst.

erschienen 01/2012 auf ftd.de