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Hannover (Flickr)

Hannover entwickelt sich mehr und mehr zur „Boomtown“ Niedersachsens.

Die Landeshauptstadt wird von Immobilienexperten offiziell zwar als B-Standort geführt — doch blickt man auf die Entwicklung
des Markts, trifft die Bezeichnung kaum noch zu. Hannover hat in Sachen Angebotsknappheit und Preissteigerungen längst zu den A-Standorten aufgeschlossen. Die DG Hyp nennt Hannover in ihrer Studie zum Immobilienmarkt Norddeutschlands deshalb die „Königin der B-Standorte“. Hannover ist Sitz der niedersächsischen Landesregierung und beherbergt neben dem Landeskriminalamt Niedersachsen zwei Bundesbehörden: das Bundessortenamt und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Das weltweit größte Messegelände bringt jährlich eine Masse an internationalen Besuchern in die Stadt.
Hannover ist Hauptsitz von Continental, Bahlsen und der Norddeutschen Landesbank und mit neun Hochschulen zudem bedeutender
Universitätsstandort. Hinzu kommt die zentrale Lage in der Metropolregion Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg und als Verkehrsknotenpunkt auf der Ost-West-Achse sowie nach Süddeutschland.
All diese Faktoren tragen dazu bei, dass Hannover sich als pulsierende — und größte — Metropole Niedersachsens etabliert hat, die prosperiert und deshalb zahlreiche neue Einwohner anzieht. Laut Prognose wird die Bevölkerung der Messestadt bis 2030 um 3,6 Prozent auf knapp 544 000 Bürger wachsen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt seit 2009 stetig.
Hannover ist zudem auf gleichem Kurs wie die meisten anderen deutschen Großstädte: Die Zahl der Singlehaushalte nimmt stetig zu. Laut dem Landesamt für Statistik Niedersachsen sind 50 Prozent der Haushalte in Hannover Einpersonenhaushalte. Mehr als 40 000 Studenten und zahlreiche Singles fragen verstärkt kleineren Wohnraum nach.
Die Kaltmiete in den sehr guten Wohnlagen in der Südstadt, Nordstadt, in List, Linden, Isernhagen-Süd, Herrenhausen und im Heideviertel hat jeweils die Acht-Euro-Marke geknackt. Spitzenreiter ist das Zooviertel mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 9,98 Euro. Die Experten von Engel & Völkers haben errechnet, dass Hannover nach Hamburg das zweithöchste Mietniveau im Norden der Republik hat.
Die Stadt hat in den Jahren 2000 bis 2011 kaum neue Wohnungen gebaut. Die Folgen sind mittlerweile offensichtlich: Das Angebot der am Markt verfügbaren Wohnungen reicht nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Der Nachfrageüberhang ist einer der Gründe, weshalb die Preise in der  Messestadt so stark gestiegen sind: Allein im vergangenen Jahr erhöhten sich die Quadratmeterpreise für Kaufobjekte in Hannover um durchschnittlich zehn Prozent.

Generationswechsel. Zu den beliebtesten Lagen zählen weiterhin das Zooviertel, Teile von Waldhausen und Waldheim, Teile der Ost- und Südstadt sowie Isernhagen-Süd. „Der Immobilienmarkt in Isernhagen-Süd ist rege wie selten zuvor, derzeit findet ein Generationswechsel statt“, beobachten die Makler von Dahler & Company. Viele ältere Bewohner der teuren Adressen ziehen in exklusiv ausgestattete altersgerechte Eigentumswohnungen um. Die Makler des Immobiliendienstleisters von Poll registrierten
für Top-Objekte Quadratmeterpreise zwischen 3900 und 5000 Euro. Obwohl das bereits an Hamburger Preisniveaus
erinnert, lässt der Preisdruck nicht nach. Von allen Vierteln Hannovers verteuerten sich die Top-Lagen mit jeweils über 13 Prozent Preiszuwachs im vergangenen Jahr am stärksten. Hier scheint es noch Nachholbedarf zu geben.
Günstiger wird es in den guten und mittleren Lagen — doch die Konkurrenz um Objekte in gutem Zustand nimmt stetig zu. List führt die guten Lagen preislich an, in der Nordstadt kratzen die Quadratmeterpreise bereits an der 2500-Euro-Marke. Seit 2011 sind die Preise in  beiden Vierteln um 71 Prozent gestiegen.
Selbst Käufer, die sich in Vierteln weiter außerhalb des Stadtkerns auf die Suche machen, dürften überrascht sein: In Döhren wurden 2016 im Durchschnitt Quadratmeterpreise von 2466 Euro aufgerufen. Günstiger wird es in Seelhorst und im Heideviertel, wo die Preise sich um 2300 und knapp unter 2200 Euro pro Quadratmeter bewegen.

„Neubauoffensive“. Um dem Nachfrageüberhang zu begegnen, hat die Stadt im vergangenen Jahr mit Wohnungsbauvertretern eine Neubauoffensive beschlossen, die bis 2020 jährlich mindestens 1000 neue Wohnungen schaffen
soll. Im Süden der Stadt, östlich von Döhren und unweit der Messe, plant die Stadt in Kronsberg-Süd ein Wohngebiet mit 3500 Einheiten. Die Planungen sollen bis Ende 2017 abgeschlossen werden.
Auch auf der Brache des alten Conti-Geländes, das zur Wasserstadt Limmer werden soll, tut sich langsam was. Der Projektentwickler unterzeichnete im September den  tädtebaulichen Vertrag, ab 2017 sollen sich die Baukräne auf dem ehemaligen Industriegelände drehen. Geplant sind zwischen 1600 und 2000 Wohneinheiten.
Hannovers Aufholjagd zu den A-Lagen hat zu einem deutlichen Preisaufschwung geführt. Ein Ende der Rally ist nicht in Sicht. Interessenten müssen sich weiterhin auf ein knappes Angebot und steigende Preise einstellen. Die Mietrenditen sind in den meisten Lagen noch hoch, schmelzen aber zunehmend.